07OEK Ökodesign
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Dieser Beitrag betrachtet die Ökodesign-Verordnung (EU) 2024/1781 sowie die damit verbundenen Herausforderungen für die Industrie. Unternehmen sehen sich mit der doppelten Herausforderung konfrontiert, die steigenden Nachhaltigkeitsanforderungen zu erfüllen und gleichzeitig ihre Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Der Beitrag erläutert Ihnen die relevanten EU-Vorgaben und Normen, beschreibt typische Negativbeispiele und erörtert die Vor- und Nachteile der Ökodesign-Umsetzung. Im Fokus stehen die Hauptanforderungen der Verordnung und die Ziele einer nachhaltiger Produktgestaltung. Mit sechs praxisorientierten Schritten wird Ihnen gezeigt, wie auch Sie Ökodesign systematisch im Unternehmen verankern können. von: |
1 Zwischen Nachhaltigkeitsdruck und globalem Wettbewerb
Doppelte Herausforderung
Unternehmen stehen heute vor einer doppelten Herausforderung:
Unternehmen stehen heute vor einer doppelten Herausforderung:
| • | Einerseits müssen sie den steigenden Anforderungen an Nachhaltigkeit gerecht werden, indem sie soziale Verantwortung, ökologische Nachhaltigkeit und ökonomische Tragfähigkeit in Einklang bringen. |
| • | Andererseits ist die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit auf den globalen Märkten unerlässlich, insbesondere in einem dynamischen Umfeld, das unter anderem Qualität, Innovationen und geringere Kosten in immer kürzeren Zyklen erfordert. |
Zusätzlich sind Unternehmen mit weiteren Einflussfaktoren konfrontiert wie verschärften regulatorischen Anforderungen, die neue Standards und gesetzliche Vorgaben enthalten, oder sich verändernden Konsumgewohnheiten, die durch Trends und ein gestiegenes Bewusstsein für Nachhaltigkeit geprägt sind. Um langfristig erfolgreich und nachhaltig zu bleiben, müssen Unternehmen innovative Lösungen entwickeln. Dies erfordert eine agile Anpassungsfähigkeit und die konsequente Integration nachhaltiger Strategien in die Unternehmensprozesse (s. Abb. 1).
Abb. 1: Herausforderungen
Ökodesign wird Standard
Ein zentrales Instrument für die Erfüllung von Nachhaltigkeit ist die neue Ökodesign-Verordnung (EU) 2024/1781 der Europäischen Union. Sie erweitert den bisherigen Fokus und verpflichtet Unternehmen künftig:
Ein zentrales Instrument für die Erfüllung von Nachhaltigkeit ist die neue Ökodesign-Verordnung (EU) 2024/1781 der Europäischen Union. Sie erweitert den bisherigen Fokus und verpflichtet Unternehmen künftig:
| • | Umweltaspekte bereits in der Entwicklungsphase zu berücksichtigen, um den Energie- und Ressourcenverbrauch ihrer Produkte über den gesamten Lebenszyklus hinweg zu minimieren, |
| • | eine vorausschauende Produktgestaltung zu berücksichtigen, die Aspekte wie Langlebigkeit, Reparierbarkeit, Wiederverwendbarkeit und Recyclingfähigkeit von Anfang an ins Design integriert, |
| • | und technische und funktionale Lösungen zu entwickeln, die nicht nur den gesetzlichen Mindestanforderungen genügen, sondern aktiv zur Kreislaufwirtschaft beitragen. |
Herausforderungen durch neue EU-Vorgaben
Diese Anforderungen sind längst keine Option mehr, sondern sie haben sich schrittweise zu einem verbindlichen Standard, insbesondere im Rahmen des EU-Green-Deal gewandelt. Unternehmen sind daher gefordert, ihre Entwicklungsprozesse konsequent auf diese Anforderung auszurichten.
Diese Anforderungen sind längst keine Option mehr, sondern sie haben sich schrittweise zu einem verbindlichen Standard, insbesondere im Rahmen des EU-Green-Deal gewandelt. Unternehmen sind daher gefordert, ihre Entwicklungsprozesse konsequent auf diese Anforderung auszurichten.
Wissenslücken und Handlungsbedarf
Vor diesem Hintergrund ist es wenig überraschend, dass bei einigen Unternehmen noch Wissenslücken bestehen, wie z. B. bei der:
Vor diesem Hintergrund ist es wenig überraschend, dass bei einigen Unternehmen noch Wissenslücken bestehen, wie z. B. bei der:
| • | Auswahl geeigneter, umweltverträglicher Materialien, |
| • | Integration von Recyclingprozessen oder |
| • | Entwicklung reparaturfreundlicher Produkte. |
Auch die Umsetzung von Anforderungen an die Energieeffizienz sowie der Umgang mit Zertifizierung der Nachhaltigkeit werfen in der Praxis häufig Fragen auf.
Strategien für die Umsetzung
Die Anpassung bestehender Prozesse an die neuen Rahmenbedingungen erfordert nicht nur technisches Know-how, sondern auch strategische Klarheit. Unternehmen benötigen fundiertes Fachwissen, praxisnahe Methoden und eine enge Verzahnung von Entwicklungs-, Produktions-, Qualitäts- und Nachhaltigkeitsmanagement. Nur so lässt sich die Umsetzung der EU-Vorgaben mit wirtschaftlicher Effizienz und Innovationsfähigkeit verbinden. Einige Negativ-Beispiele dazu:
Die Anpassung bestehender Prozesse an die neuen Rahmenbedingungen erfordert nicht nur technisches Know-how, sondern auch strategische Klarheit. Unternehmen benötigen fundiertes Fachwissen, praxisnahe Methoden und eine enge Verzahnung von Entwicklungs-, Produktions-, Qualitäts- und Nachhaltigkeitsmanagement. Nur so lässt sich die Umsetzung der EU-Vorgaben mit wirtschaftlicher Effizienz und Innovationsfähigkeit verbinden. Einige Negativ-Beispiele dazu:
Langlebigkeit lohnt sich nicht, oder doch?
Produkt mit geplanter Obsoleszenz (veraltet, unbrauchbar oder nicht mehr nutzbar): Ein Werkzeughersteller führt eine Bohrmaschine in den Markt ein. Der Motor fällt aber im Durchschnitt nach 300 Betriebsstunden aus.
Produkt mit geplanter Obsoleszenz (veraltet, unbrauchbar oder nicht mehr nutzbar): Ein Werkzeughersteller führt eine Bohrmaschine in den Markt ein. Der Motor fällt aber im Durchschnitt nach 300 Betriebsstunden aus.
Problem: Das widerspricht dem Grundsatz der Ökodesign-Verordnung, Produkte langlebig zu gestalten.Verschweißte Akkus: Bei Bluetooth-Lautsprechern, Mobiltelefonen oder drahtlosen Kopfhörern sind die Akkus verklebt oder sogar verschweißt.
Problem: Der Akkuwechsel erfordert Spezialwerkzeug und hohen Arbeitsaufwand. Obwohl die Geräte noch funktionsfähig sind, verhindert die Reparaturunfreundlichkeit ihre Wiederverwendung. Das führt zu unnötigem Elektroschrott und widerspricht dem Ökodesignprinzip.Kein freier Zugang zu Ersatzteilen: Viele Alltagsgeräte wie Fernseher oder Waschmaschinen erfüllen formell die Ökodesign-Vorgaben. Ersatzteile sind jedoch meist teuer und nur über den autorisierten Fachhändler erhältlich.
Problem: Diese Einschränkungen erschweren es dem Nutzer, Reparaturen selbst durchzuführen oder unabhängige, kostengünstige Reparaturdienste in Anspruch zu nehmen. Wie die Deutsche Umwelthilfe berichtet (duh.de) stoßen Verbraucher häufig auf diese strukturellen Hürden. In der Folge werden viele Elektrogeräte entsorgt, obwohl sie technisch noch reparierbar wären.Verwirrende oder fehlende Energiekennzeichnung: Ein Gefrierschrank ist mit einer veralteten Energieeffizienzklasse (gültig bis März 2021) mit D, C, B, A, A+, A++ und A+++ gekennzeichnet, obwohl die neue Skala mit G, F, E, D, C, B und A ersetzt wurde.
Problem: Veraltete, uneinheitliche oder eigenständig gestaltete Kennzeichnungen führen Verbraucher oft in die Irre. Es fehlt an Transparenz und Vergleichbarkeit. Dies erschwert eine nachhaltige Kaufentscheidung.Produkte mit hohem Energieverbrauch: Geräte wie Wasserkocher, Klimaanlagen oder Kraftfahrzeuge erfüllen im Labor die geltenden Normen. In der praktischen Anwendung lassen sich die Produkte nur eingeschränkt ökologisch betreiben.
Problem: Die unzureichende Umsetzung von Effizienzstandards führt dazu, dass Produkte den hohen Anforderungen der EU oft nicht entsprechen. Dies führt zu einem höheren Energieverbrauch. Das steht im Widerspruch zu den Zielen nachhaltiger Entwicklung.
Die Folgen von Verstößen
Es gibt zahlreiche weitere Negativbeispiele für Verstöße gegen die Ökodesign-Verordnung. Wer diese Lücken nicht aktiv schließt, läuft Gefahr sowohl ökologischen als auch ökonomischen Schaden zu erleiden. Darunter fallen u. a. (s. Abb. 2):
Es gibt zahlreiche weitere Negativbeispiele für Verstöße gegen die Ökodesign-Verordnung. Wer diese Lücken nicht aktiv schließt, läuft Gefahr sowohl ökologischen als auch ökonomischen Schaden zu erleiden. Darunter fallen u. a. (s. Abb. 2):
| • | rechtliche Sanktionen: Unternehmen, die die Anforderungen nicht erfüllen, werden mit Bußgeldern oder anderen rechtlichen Maßnahmen belegt. |
| • | erhöhte Entsorgungs- und Recyclingkosten: Ein nicht auf Langlebigkeit und Recyclingfähigkeit ausgerichtetes Produktdesign erhöht das Abfallaufkommen und verursacht zusätzliche Entsorgungs- und Recyclingkosten aufseiten der Hersteller und Kunden. |
| • | Steigerung der Betriebskosten: Durch den Einsatz ressourcenintensiver Materialien, ineffizienter Produktionsprozesse oder nicht nachhaltiger Energiequellen werden die Betriebskosten erheblich steigen, da sowohl Materialbeschaffung als auch Energieverbrauch und Abfallentsorgung teurer werden. |
| • | Verlust der Kundenbindung: Nicht nachhaltige Praktiken und Produkte schwächen die Kundenbindung, da Verbraucher zunehmend Unternehmen bevorzugen, die ihre Werte in Bezug auf Umwelt- und Klimaschutz teilen. |
| • | Reputationsverlust: Verbraucher und Geschäftspartner erwarten zunehmend nachhaltige Produkte. Unternehmen, die diesen Anforderungen nicht gerecht werden, riskieren nicht nur ihre Glaubwürdigkeit, sondern erleiden auch langfristige Wettbewerbsnachteile. |
| • | Einschränkung bei öffentlicher Ausschreibung: Unternehmen, die die Nachhaltigkeitsstandards nicht einhalten, werden von öffentlichen Aufträgen ausgeschlossen. |
| • | Marktzugangsbeschränkung: Produkte, die die neue Ökodesign-Verordnung nicht erfüllen, werden vom EU-Markt ausgeschlossen. |
Frühzeitig handeln, langfristig profitieren
Unternehmen, die frühzeitig auf neue Anforderungen reagieren, sichern sich klare Wettbewerbsvorteile. Sie minimieren Risiken, erfüllen steigende Kundenerwartungen und positionieren sich als Vorreiter nachhaltiger Innovationen. Wenn Sie proaktiv handeln, werden Sie die regulatorischen Vorgaben effizienter umsetzen, die Ressourcen- und Energieeffizienz steigern und damit Ihre Marktposition dauerhaft stärken.
Unternehmen, die frühzeitig auf neue Anforderungen reagieren, sichern sich klare Wettbewerbsvorteile. Sie minimieren Risiken, erfüllen steigende Kundenerwartungen und positionieren sich als Vorreiter nachhaltiger Innovationen. Wenn Sie proaktiv handeln, werden Sie die regulatorischen Vorgaben effizienter umsetzen, die Ressourcen- und Energieeffizienz steigern und damit Ihre Marktposition dauerhaft stärken.