02223 ISO 9001 Revision – auf einen Blick

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1 Übersicht

ISO 9001 Revision
Die kommende Revision wird voraussichtlich ESG-Themen und eine erweiterte Risikobetrachtung, insbesondere im Hinblick auf den Klimawandel, integrieren. Unternehmen müssen sich unter Umständen auf neue Anforderungen in den Bereichen Umweltmanagement und Unternehmensstrategie vorbereiten.
Verzögerter Zeitplan
Die Revision der ISO 9001 wird zum aktuellen Stand erst 2026 abgeschlossen sein, obwohl die Veröffentlichung ursprünglich für 2025 geplant war.
Die überarbeitete Norm soll den Klimawandel stärker berücksichtigen.
Anpassung an globale Dynamiken
Die Revision adressiert die steigende Komplexität von Lieferketten und technologischen Veränderungen. Die Norm bietet Unternehmen somit eine Grundlage, um flexibel auf Multikrisen und Marktveränderungen zu reagieren.

2 Warum eine neue Revision notwendig ist

Qualitätskultur, Ethik und Klimawandel
Eine immer größer werdende Komplexität von Lieferketten und Unternehmensstrukturen sowie eine notwendige Einbindung der globalen Dynamik machen eine Modernisierung der ISO 9001 unumgänglich. Im Mittelpunkt soll vorrangig die steigende Bedeutung der Unternehmensleitung und ihrer Verantwortung in Bezug auf Qualitätskultur, Ethik und Klimawandel stehen.
Globale Multikrisen und technologische Veränderungen
Bei globalen Multikrisen und technologischen Veränderungen spielt die ISO 9001 eine wichtige Rolle. Sie hilft Unternehmen, ihre QM-Systeme an die sich verändernden Marktbedingungen anzupassen. Die Norm bietet bei wirtschaftlichen oder politischen Unsicherheiten, aber auch bei technologischen Umbrüchen einen strukturierten Rahmen, um Prozesse zu optimieren.
So können Unternehmen dank der ISO-Norm flexibel auf Herausforderungen reagieren und gleichzeitig die Kundenzufriedenheit sichern.
Nachhaltigkeit, agiles Arbeiten und Klimawandel im Fokus
Das Thema Nachhaltigkeit bei Unternehmen rückt immer mehr in den Fokus. Es wird erwartet, dass umweltbewusst agiert wird und Flexibilität für Marktveränderungen vorhanden ist. Diesen Aspekt berücksichtigt die Revision besonders.
Lieferkettenmanagement und hohe Veränderungsraten
Die Norm regt Unternehmen dazu an, robuste Prozesse zur Überwachung und Steuerung von Lieferanten und Partnern einzurichten. Des Weiteren fördert sie eine kontinuierliche Anpassung von Qualitätsmanagementsystemen, sodass Unternehmen mit schnellen Veränderungen Schritt halten können.

3 Revision der ISO 9001: Die wichtigsten Änderungen und Neuerungen

Verzögerungen
Die laufende Revision der ISO 9001, die ursprünglich bereits früher abgeschlossen sein sollte, verzögert sich voraussichtlich bis zum Jahr 2026. Der ursprünglich angestrebte Abschluss des Revisionsprozesses im Jahr 2025 wird nach aktuellem Stand nicht eingehalten. Hintergrund ist, dass im April 2024 zunächst der erste Entwurf (Committee Draft 1) veröffentlicht wurde. Im weiteren Verlauf zeigte sich jedoch, dass das zuständige ISO/TC 176 weiteren Diskussions- und Anpassungsbedarf sieht. Aus diesem Grund wurde im Herbst 2024 beschlossen, einen zweiten Entwurf (Committee Draft 2) zu erarbeiten. Diese Vorgehensweise verlängert den gesamten Zeitplan, sodass die finale Veröffentlichung der überarbeiteten Norm 2026 erfolgen wird.
Welche konkreten Änderungen letztlich verbindlich in die neue Normversion aufgenommen werden, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch offen, da die endgültigen Beschlüsse im Konsens zwischen den Mitgliedern des ISO/TC 176 getroffen werden. Dennoch zeichnen sich bereits jetzt bestimmte Tendenzen und inhaltliche Schwerpunkte ab.
Klimawandel
Als eine der sicher geltenden Anpassungen wird die Aufnahme des Themas Klimawandel in die ISO 9001 bewertet. Dieser Aspekt soll künftig in die Überlegungen zur Festlegung und Steuerung von Produkten, Dienstleistungen und Prozessen einfließen. Die damit verbundenen Forderungen resultieren aus einer übergeordneten Entscheidung der Vereinten Nationen, wonach Aspekte des Klimawandels und seiner Auswirkungen in allen Managementsystemnormen berücksichtigt werden sollen.
Wie wirkt der Klimawandel auf die Qualität?
Damit folgt die ISO 9001 einem allgemeinen politischen und normativen Auftrag, ohne jedoch ihren Charakter als Qualitätsmanagementnorm zu verlieren. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass diese Erweiterung nicht mit direkten Verpflichtungen zu Nachhaltigkeitsmaßnahmen oder mit einer Annäherung an ein Umweltmanagementsystem nach ISO 14001 gleichgesetzt werden darf. Vielmehr soll die Organisation künftig prüfen, inwiefern externe Einflussfaktoren, wie der Klimawandel, auf die Qualität der eigenen Produkte und Dienstleistungen sowie auf die zugrunde liegenden Prozesse wirken können.
Ziel
Ziel ist es, Risiken und Chancen aus diesem Themenfeld systematisch zu erfassen und im Rahmen des Qualitätsmanagementsystems angemessen zu berücksichtigen. Es handelt sich nicht um eine neue Anforderung, da der Klimawandel grundsätzlich ein Thema im Kontext der Organisation war, das potenziell Auswirkungen haben konnte. Somit wurde lediglich der Sprachgebrauch aus dem Amendment von 2024 übernommen.
Wie kann das jetzt schon umgesetzt werden?
Beispiele: Wetterereignisse, Lieferketten
Mit der Ergänzung durch Amendment 1 wird von Organisationen verlangt, Klimawandelaspekte systematisch im Qualitätsmanagementsystem zu berücksichtigen. Konkret bedeutet dies, dass im Rahmen der Kontextanalyse (ISO 9001, Normkapitel 4.1) geprüft werden muss, ob der Klimawandel für die Organisation ein relevantes Thema darstellt. Ebenso sind im Zusammenhang mit den interessierten Parteien (ISO 9001, Normkapitel 4.2) mögliche Erwartungen und Anforderungen in Bezug auf Klimafragen zu identifizieren.
Ist der Klimawandel als relevant eingestuft, hat die Organisation ihr Managementsystem so auszurichten, dass die daraus resultierenden Anforderungen abgedeckt werden. Dies kann sowohl Maßnahmen zur Minderung von Auswirkungen (z. B. durch Energieeinsparung oder Dekarbonisierung) als auch Anpassungsmaßnahmen umfassen, etwa zur Absicherung gegen Risiken durch extreme Wetterereignisse oder zur Sicherstellung stabiler Lieferketten.
Risiken und Chancen bewerten
Die konkrete Ausgestaltung hängt dabei von Branche, Standort, Produkten und Dienstleistungen ab. Unternehmen sind gefordert, Risiken und Chancen zu bewerten und abzuleiten, wie sich Klimaveränderungen auf ihre Prozesse, Ressourcen und Kundenbeziehungen auswirken können. Ebenso ist zu prüfen, welchen Einfluss die Organisation selbst auf den Klimawandel ausübt.
Dokumentation der Bewertung
Die Umsetzung erfolgt somit nicht durch pauschale Vorgaben, sondern durch eine inhaltlich begründete Bewertung der Relevanz und eine entsprechende Integration in das bestehende Managementsystem. Entscheidend ist die Nachvollziehbarkeit des Vorgehens: Organisationen müssen dokumentieren können, ob und wie sie den Klimawandel in ihrer Kontextanalyse und in den Anforderungen interessierter Parteien berücksichtigt haben und welche Anpassungen im System daraus folgen.

4 Strategische Ausrichtung

Integration in die Unternehmenssteuerung
Ein weiterer zentraler Diskussionspunkt betrifft die stärkere strategische Ausrichtung des Qualitätsmanagementsystems. Die bisherige Version der ISO 9001 legt bereits Wert darauf, dass das QMS im Kontext der Organisation betrachtet und in übergeordnete Unternehmensziele eingebunden wird. In der kommenden Revision wird dieser Aspekt nach aktueller Diskussion jedoch weiter konkretisiert und voraussichtlich verstärkt. Das bedeutet, dass Unternehmen in Zukunft noch klarer aufzeigen müssen, in welcher Form ihr Qualitätsmanagementsystem zur Erreichung strategischer Unternehmensziele beiträgt und wie eine Integration in die Unternehmenssteuerung erfolgt.
In welchem Umfang und in welcher Ausgestaltung diese Forderungen verankert werden, ist derzeit noch Gegenstand internationaler Beratungen. Offen ist insbesondere, ob die künftige Norm konkrete Anforderungen an die Darstellung dieser Verknüpfung enthalten wird oder ob lediglich eine präzisere Formulierung der bestehenden Erwartungen erfolgt.
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