02601 Die ISO 56007

Ziel dieses Beitrags ist es darzulegen, wie die ISO 56007 Unternehmen dabei helfen kann, Chancen und Ideen zu identifizieren und in Innovationskonzepte zu überführen. Dazu werden in der Norm Vorgehensweisen sowie geeignete Methoden und Instrumente empfohlen.
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1 Die ISO 56007 als Leitfaden für Werkzeuge und Methoden für Chancen und Ideen

Die Norm trägt den Titel: DIN EN ISO 56007:2024-10: Innovationsmanagement – Werkzeuge und Methoden für Chancen und Ideen – Leitfaden. Im allgemeinen Sprachgebrauch ist im Deutschen auch die Bezeichnung ISO 56007 üblich – so auch in diesem Werk. Die aktuelle Ausgabe der Norm liegt in deutscher Fassung und in englischer Übersetzung vor.
Zweck der Norm
Die ISO 56007 weist darauf hin, dass das Management von Chancen und Ideen ein wesentlicher Bestandteil des Innovationsmanagementprozesses ist. [1] Sie befasst sich mit den ersten Chancen und Ideen im Front-End, also im vorderen Teil des Innovationsprozesses, sowie mit Instrumenten und Methoden zur Identifizierung von Chancen, zur Erstellung und Validierung von Innovationskonzepten, die für die Entwicklung und Bereitstellung infrage kommen. Dabei können die Chancen und Ideen beliebigen Ursprungs sein, z. B. von der oberen Ebene, der unteren Ebene, von innerhalb oder außerhalb der Organisation. Abbildung 1 zeigt die Front-End-Innovationsaktivitäten im Innovationsprozess.
Abb. 1: Front-End-Innovationsaktivitäten im Innovationsprozess [1]
Struktur der Norm
Die ISO 56007 enthält sieben Hauptabschnitte und drei Anhänge. Die Leitlinien der Norm werden in den folgenden Punkten dargelegt (s. Abschn. 7): [1]
Normkapitel 4 befasst sich mit den Vorbereitungen des Managements von Chancen und Ideen, inklusive der wichtigsten Zuständigkeitsbereiche, grundlegender Fragen, der Weiterentwicklung von Ideen, zu berücksichtigender Innovationstreiber und verschiedener anwendbarer Methoden.
Normkapitel 5 bezieht sich auf personenbezogene und organisatorische Überlegungen und wie diese das Management von Chancen und Ideen beeinflussen können.
Normkapitel 6 beschreibt ausführlich die Aktivitäten des Managements von Chancen und Ideen sowie deren Beziehungen zueinander durch Identifizierung, Konzepterstellung und Validierung, die nochmals in Prüfung und Auswahl unterteilt ist.
Normkapitel 7 behandelt die Überprüfung und Bewertung von Front-End-Innovationsaktivitäten und -anstrengungen.
Nutzen der Norm
Front-End-Innovationsaktivitäten bilden die ersten Schritte auf dem Weg zu zukunftsweisenden Innovationen. Um dorthin zu gelangen, unterstützt die Norm Innovatoren dabei,
Innovationschancen zu nutzen und damit neue Geschäftsmöglichkeiten zu schaffen,
Chancen und Ideen systematisch zu verwalten, um einen größeren Wert aus den Front-End-Innovationsaktivitäten zu ziehen,
geeignete Methoden und Instrumente in den ersten Schritten des Innovationsprozesses richtig anzuwenden,
tragfähige Innovationskonzepte zu erstellen, zu validieren und zu bewerten,
Ungewissheiten zu identifizieren und auf ein akzeptables Maß verringern. [1]
Das beigefügte Tool liefert Ihnen eine Checkliste mit Werkzeugen und Methoden für Chancen und Ideen nach ISO 56007.[ 02601_01.docx]
Die Normenreihe 56000 ff.
Die ISO 56007 ist der Normenreihe ISO 56000 ff. zuzuordnen, die aus den folgenden weiteren Normen besteht:
ISO 56000: Innovationsmanagement – Grundlagen und Begriffe
ISO 56001: Innovationsmanagement – Anforderungen
ISO 56002: Innovationsmanagement – Innovationsmanagementsystem – Leitfaden
ISO 56003: Innovationsmanagement – Werkzeuge und Methoden für Innovationspartnerschaften – Leitfaden
ISO 56004: Innovationsmanagement Assessment – Leitfaden
ISO 56005: Innovationsmanagement – Werkzeuge und Methoden für IP-Management – Leitfaden
ISO 56006: Innovationsmanagement – Werkzeuge und Methoden für das Management strategischer Informationen – Leitfaden
ISO 56008: Innovationsmanagement – Werkzeuge und Methoden zur Messung von Innovationsvorgängen – Leitfaden (Entwurf, Stand: März 2025)
ISO 56010: Innovationsmanagement – Erläuternde Beispiele für ISO 56000 (Vornorm, Stand: März 2025)
Anwendungsbereich der Norm
Die ISO 56007 enthält Leitlinien zur kompletten Bandbreite an Innovationsarten, also von inkrementellen bis zu radikalen Innovationen, so wie sie in der ISO 56000 definiert sind. [1] Sie ist vorgesehen
für alle Anwender, die an Innovationen beteiligt sind, egal ob es sich dabei um Organisationen oder um einzelne Personen handelt,
für alle Organisation, egal welcher Art oder Größe,
um ein Verständnis zur Wertschöpfung und Wertrealisierung zu schaffen, sei es zum Gewinn, zu gesellschaftlichen Auswirkungen, zu Änderungen der strategischen Ausrichtung oder zu anderen Zwecken.
Hinweis
Gemäß ISO 56007 kann die Norm insbesondere von folgenden Arten von Organisationen bzw. Personen angewendet werden [1]:
etablierte, große Organisationen (gewinnorientiert und mit sozialem Wert), die ihre Managementaktivitäten von Chancen und Ideen systematischer gestalten möchten;
kleine und mittelständische Unternehmen (KMUs), die ihre Innovationsaktivitäten stärker strukturieren möchten;
Start-up-Unternehmen/Risikokapitalgeber, die überlegen, wie sie Chancen und Ideen systematischer bewerten können;
nicht gewinnorientierte Organisationen, die sich Innovationsaktivitäten zunutze machen möchten, um eine innovativere Organisation zum Nutzen ihrer interessierten Parteien aufzubauen;
Nichtregierungsorganisationen (NROs), die darauf abzielen, innovationsbezogene Ökosysteme durch wirksamere und effizientere Innovationsaktivitäten zu verändern;
organisationsinterne oder organisationsfremde Personen, die einen Rahmen für das Management von Chancen und Ideen suchen;
Universitäten und Forschungseinrichtungen, die neue Wege zur Wertschaffung erkunden, indem sie auf die Bedürfnisse und Erwartungen der Organisation und ihrer interessierten Parteien eingehen.
In der ISO 56007 wird darauf hingewiesen, dass die Weiterentwicklung von Innovationskonzepten zu Lösungen und zum Bereitstellen dieser Lösungen nicht im Anwendungsbereich der Norm liegt (s. Abb. 1) [1]

2 Vorbereitende Maßnahmen treffen

Grundlegende Aspekte beachten
Um erfolgreich Chancen zu nutzen und Ideen zu generieren, ist es zunächst erforderlich, einige grundlegende Aspekte zu beachten. So sollte sich eine Organisation [1]
auf ihre wichtigsten Begriffe einigen, um eine gemeinsame Sprache zu finden,
zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Fragen stellen, um Lernprozesse zu ermöglichen,
organisatorische Gesichtspunkte bedenken, die speziell für die Innovationsaktivitäten relevant sind,
sich einen Überblick über die Weiterentwicklung von Chancen und Ideen verschaffen,
ein Verständnis darüber erlangen, wie verschiedene Methoden und Instrumente angewendet werden können.
Über diese Schlüsselbegriffe sollte gemäß ISO 56007 ein Verständnis erlangt werden [1]:
Chancenfeld: Dies kann eine derzeitige Strategie oder strategische Absicht betreffen oder durch externe und interne Veränderungen entstehen. Es hat das Potenzial, die Organisation aufrechtzuerhalten, zu erweitern oder zu erneuern.
Chance: Sie entsteht aus einer Reihe von Umständen, die zu einer potenziellen Innovation führen können. Sie kann darüber hinaus zu Ideen oder Chancenfeldern führen.
Idee: Sie kann spontan entstehen oder durch eine Chance oder ein sich bietendes Chancenfeld inspiriert werden. Dabei kann es sich um eine ausgesprochene oder unausgesprochene Fragestellung oder ein zu lösendes Problem, ein Bedürfnis oder einen Wunsch handeln. Eine Idee kann durch Zufall, durch eine direkte Herausforderung oder einen Auftrag entstehen. Sie ist ggf. mit Chancen oder Chancenfeldern verknüpft.
Innovationskonzept: Es ist das Ergebnis der Weiterentwicklung und Verfeinerung von Chancen oder Ideen für die Entwicklung oder von beidem.
Ungewissheit: Dabei handelt es sich um einen Mangel an Wissen oder um ein fehlendes Verständnis zahlreicher Aspekte, der die Unvorhersehbarkeit einer gewünschten bzw. potenziellen Innovation erhöht.
Risiko: Damit ist eine Abweichung vom Erwarteten gemeint, die durch Ungewissheit oder durch ein Ereignis entsteht.
Wert: Darunter ist der Ertrag aus der Befriedigung empfundener Bedürfnisse und Erwartungen der Organisation und der interessierten Parteien zu verstehen.
Ungewissheit reduzieren
Ziel von Front-End-Innovationen ist es gemäß ISO 56007, Ungewissheiten zu identifizieren und auf ein für die Entscheidungsträger akzeptables Maß zu verringern. Dies geschieht, indem Informations-, Verständnis- oder Wissenslücken durch einen Prozess der Chancen- und Ideenverfeinerung und durch die Erstellung von Innovationskonzepten geschlossen werden. [1] Um Ungewissheit zu reduzieren, sollte die Organisation
Trends erfassen, z. B. branchenspezifische, marktspezifische, technische und gesellschaftliche,
Marktanalysen durchführen,
Rückmeldungen von Kunden bzw. Nutzern über Prototypen sowie Kundenbeobachtungen zu Chancen, Ideen oder Innovationskonzepten einholen und herausfinden, welche Merkmale, Produkte, Dienstleistungen und Lösungen mit größter Wahrscheinlichkeit für Kunden und Nutzer von Interesse sind,
Personas (siehe Hinweis) und Analysen von Nutzererfahrungen verwenden, um Leidensdruck, Bedürfnisse, Wünsche und Motivationen dahin gehend zu untersuchen, wie ein potenzieller Kunde oder Nutzer ein neues Produkt, eine Dienstleistung oder eine Lösung annehmen kann,
Rückmeldungen von interessierten Parteien einholen,
Geschäfts-, Wettbewerbs- und strategische Informationen zusammen mit der Analyse von Marken und Eigentum nutzen, um die Rentabilität und Durchführbarkeit einer Chance, einer Idee oder eines Innovationskonzepts zu ermitteln.
Hinweis
Personas veranschaulichen typische Vertreter einer Zielgruppe. [1] Sie haben Erwartungen, Werte, Wünsche und Ziele und zeigen menschliche Verhaltensweisen. Eine Persona ist die Personifizierung bzw. der Prototyp einer Zielgruppe und hilft dabei, Annahmen über Kunden zu treffen.

3 Überlegungen zur Führung, zu Ressourcen und zur Unterstützung anstellen

Rolle der obersten Leitung klären
Gemäß ISO 56007 spielt die oberste Leitung bei Front-End-Innovationsinitiativen eine bedeutende Rolle. Sie sollte derartige Initiativen initiieren und vorantreiben und sicherstellen, dass sie an die Innovationsstrategie der Organisation angepasst sind. [1] Darüber hinaus ist es Aufgabe der obersten Leitung,
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